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Umgekehrter Rassismus

 Als umgekehrten Rassismus bezeichnet man den Rassismus gegenüber weißen Menschen, den Rassismus nennt man umgekehrt, da die Ideologie der Rassentrennung von den Weißen kommt. Um direkt auf den Punkt zu kommen: „Umgekehrten Rassismus“ gibt es nicht Natürlich kommt es vor, dass Weiße diskriminiert oder benachteiligt werden. Und selbstverständlich gibt es schwarze Menschen oder People of Color, die weiße Menschen nicht mögen, die Vorurteile haben, und stereotypisieren. All das ist nicht gut. Aber all das ist eben kein Rassismus. Wer so etwas behauptet, weiß offenbar nicht, was Rassismus ist, nämlich eine seit Jahrhunderten bestehende Ideologie, nach der Menschen mit bestimmten äußerlichen Merkmalen weniger wert sind als andere.

Weiße Menschen können diskriminiert werden, aber haben keinen systematischen Nachteil. Sie haben es nicht schwer eine Wohnung zu finden. Sie geraten weniger in demütigende Kontrollen und schon gar nicht müssen sie dabei um ihr Leben fürchten. Weiße Menschen gelten in Deutschland als die „Normalen“, sie sind überall repräsentiert, ob auf Vorstandestagen oder in Werbeanzeigen. Andere müssen hingegen meist für ihre Repräsentation kämpfen. Die Formel lautet: Rassismus ist Diskriminierung plus Macht. In den meisten Gesellschaften ist Macht weiß, weiße Menschen können sich darauf verlassen, dass ihnen von der Polizei geglaubt wird, dass Institutionen ihnen automatisch vertrauen.

Das, was Weiße als rassistischer Äußerungen bezeichnen, ist, wenn sie „Kartoffel“ oder „Alman“ genannt werden während POC richtiger Rassismus erleben. Wie Angst zu haben, keine Wohnung zu finden oder keinen Job. Viele POC erleben neben verbaler auch physische Gewalt.

Klar, auch weiße Menschen können solche Dinge erleben. Nur eben nicht in dem Ausmaß, und nicht als Folge einer systematischen Logik. Meine Vermutung: hinter dem Gerede vom umgekehrten Rassismus steckt das Bedürfnis, sich nicht mit den eigenen Privilegien auseinandersetzen zu wollen.

Hewan 2/21